55 Grad, 58 Minuten südliche Breite und 67 Grad, 17 Minuten westliche Länge: Allen Hochseeseglern sind diese Koordinaten bekannt. Die Umrundung Kap Hoorns feiern alle Weltumsegler als großen Erfolg. Denn neben dem Sueskanal und dem Kap der guten Hoffnung müssen die meisten vor allem an dieser gefährlichen Passage mindestens einmal gewesen sein. Aber auch heute noch kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen.

Schon seit Jahrhunderten geht es für Schiffe bei der Durchfahrt der etwa 1.000 Kilometer breiten Wasserstraße an felsigen Küsten, kleinen Inseln und Fjorden vorbei. Tückische Unterströmungen und sogar Eisbrocken gehören neben orkanartigen Böen zu dem 500 Seemeilen vor der Antarktis gelegenen Gebiet dazu. Mehr als achthundert Schiffe scheiterten am Kap und sanken auf den Meeresboden. Bei Niedrigwasser vor der Küste Südamerikas lässt sich auf dem größten Schiffsfriedhof der Welt auch der ein oder andere Mast entdecken.

Trotzdem gehört Kap Hoorn vor allem bei Weltumsegelungen wie der Vendée Globe oder dem Volvo Ocean Race zur Route dazu. So gilt der Franzose Francois Gabart, der 2013 als erster das Kap erreichte, seither als „König von Kap Hoorn“. Der Schweizer Segler Dominik Wavre umrundete die Südspitze Südamerikas 2013 bereits zum neunten Mal.

Die technologischen Hilfsmittel machen das heutzutage möglich. Für alle, die sich im 17. Jahrhundert auf den gefährlichen Weg machten und mit Erfrierungserscheinungen an den Händen zu kämpfen hatten, muss das laut Wavre aber mehr als beängstigend gewesen sein.

Kap Horn zwingt Jean le Cam fast in die Knie

Für Jean le Cam wurde Kap Hoorn 2007 zum Schreckenserlebnis. Der Franzose war bei seiner Solo-Weltumsegelung während der Vendée Globe in unmittelbarer Nähe des Kaps gekentert. Kopfüber hing er in seiner Rennyacht in der aufgepeitschten See und hatte nur einen Gedanken: „Verlasse nicht das Boot.“ Nach 16 Stunden Hilflosigkeit kam mit dem Konkurrent Vincent Riou die Rettung.

Am südlichsten Zipfel Chiles ist ein Denkmal aufgestellt, mit dem allen dort verunglückten Seefahrern gedacht werden soll. Doch da am Kap Hoorn eigene Gesetze gelten, wurde 2014 selbst das Monument aus Stahl zum Opfer eines Sturmes. Ein Stück des stilisierten Albatrosses brach bei Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde einfach ab.

Auch für Kreuzfahrtschiffe, für die Kap Hoorn mittlerweile zum Standardrepertoire gehört, ist die Umrundung auch immer wieder eine ungemütliche Angelegenheit. So eindrucksvoll die über 400 Meter hohen Felsen an der Spitze des amerikanischen Kontinents auch sind, so schnell kann der Seegang auch zur rauen und die Schifffahrt zur wackeligen Angelegenheit werden.

Titelbild: Bloody Orange – stock.adobe.com

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