Mit 66 Jahren könnte sich Jochen Schümann längst entspannt zurücklehnen und seinen Ruhestand auf dem einen oder anderen privaten Segeltörn genießen. Doch einer der weltbesten Segler ist noch viel auf den Weltmeeren unterwegs. Wenn Corona es zulässt, hält er sich an traumhaften Orten auf und ist als Steuermann, Berater oder Taktiker in der Segelwelt tätig.

Seinem Beruf und vor allem seiner Berufung könne er aufgrund der derzeitigen Situation aber nicht nachgehen. Das fällt dem deutschen Segler besonders schwer, da untätig zu sein nicht sein Ding sei, erklärte er der Berliner Zeitung Normalerweise ist Schümann noch etwa 100 Tage im Jahr auf dem Wasser. Der vierfache Weltmeister kann es einfach nicht lassen: „Segeln ist die perfekte Kombination aus Natur, Spaß und Intellekt. Diese Mischung macht Segeln für mich zu einem traumhaften Sport“, erklärt der Deutsche seine nach wie vor große Faszination für den Wassersport.

Begonnen hat die Karriere des Ausnahmetalents im Alter von zwölf Jahren auf dem Berliner Müggelsee. Seine Anfänge und erste große Erfolge feierte Schümann in der DDR. 1974 und 1975 wurde er Europameister der Junioren. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal holte der damals 22-Jährige dann überraschend Gold für die DDR im Finn-Dingi.

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„Soling-Crew“ holt Gold

Zusammen mit Thomas Flach und Bernd Jäkel gründete Schümann 1985 eine der erfolgreichsten Segel-Crews der Welt. 1988 gewann das Trio um Steuermann Schümann bei Olympia vor Busan in Südkorea eine Goldmedaille. Für das wiedervereinigte Deutschland wiederholten sie 1996 vor Savannah in Georgia den Coup und holten sich erneut Gold. Bis zur Trennung im selben Jahr hatte sich die „Soling-Crew“ mindestens eine Medaille jährlich gesichert – 15 Mal gingen Schümann, Flach und Jäkel bei Welt- und Europameisterschaften insgesamt als Sieger hervor.

Jäkel sprach von Schümann als dem besten Steuermann, der immer nach totaler Perfektion strebte. Im Segeln zählt heutzutage verstärkt die Athletik auf neueren und vor allem immer schnelleren Booten. Für den erfahrenen Schümann stehen bis heute andere Aspekte im Vordergrund. Willenskraft, gute Führungsqualitäten und vor allem Erfahrung macht der Ausnahmesegler für den Erfolg verantwortlich. Eine exakte Vorbereitung und das Fokussieren eines Ziels gehören für den Altmeister ebenso zum Rezept.

Schümann als Weltsegler des Jahres 1996

Diese Leistung wurde 1996 anerkannt, als Schümann als erster Deutscher zum Weltsegler des Jahres gewählt wurde. 2000 kam eine Silbermedaille von Olympia in Sydney hinzu, auch den America´s Cup gewann er mit dem Schweizer Team Alinghi zweimal – 2003 und 2007 besiegte er das Spitzenteam Neuseeland.

Insgesamt sichert sich der Weltklassesegler mehr als 30 Medaillen, darunter vier WM-Titel und zehn EM-Titel in verschiedenen Bootsklassen. Diese Erfolge machen Schümann nicht nur zu einem der erfolgreichsten Segler Deutschlands, sondern auch zu einer Legende im internationalen Segelsport. Die Hoffnung ist groß, dass der Berliner seiner Bestimmung bald wieder nachgehen kann.

Titelbild: AFP

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