14 Teilnehmer sind im Ziel, elf befinden sich noch auf hoher See und acht mussten frühzeitig abbrechen – die Vendée Globe verlangte den Skippern auf ihrer Reise um die Welt einiges ab. Welche Hotspots hatten es besonders in sich?

Drei Hauptetappen müssen die Segler bei dem härtesten Einhandsegel-Rennen der Welt durchkreuzen: Der Start erfolgt im Atlantik und geht dann über in das Südpolarmeer, woraufhin das letzte Drittel wieder im Atlantik ausgetragen wird. Dabei begegnen den Teilnehmern neben unterschiedlichen Wind- und Wellenbedingungen herbstliche Temperaturen beim Start in Les Sables d’Olonne, Hitze am Äquator und eisige Kälte in den Polarkreisen. 123segelsport blickt zurück auf die Hotspots der Route um die Welt:

Der Golf von Biskaya

Die Bedingungen können die Skipper bis an ihre äußersten Grenzen treiben, wenn ein Tiefdruckgebiet über den Golf von Biskaya fegt. Einige Skipper wählten im vergangenen Jahr eine abweichende Route mit geringeren Winden, während andere sich in das Tief stürzten und wenig Schlaf bekamen.

Das Azorenhoch

Für diejenigen, die auf ihrer Route zu weit nach Westen abkommen, geht es im Azorenhoch nur langsam voran. Die leichtwindige Zone bereitete einigen der Skipper im vergangenen Jahr ordentlich Schwierigkeiten. Armel Tripon, Ari Huusela, Alexia Barrier, Miranda Merron, Clément Giraud und Sébastien Destremau belegten durch die Flaute die hinteren Plätze.

Die Kanaren/Kapverden

Umso schöner für die Skipper, als sie im Südwesten der Kanarischen Inseln etwas mehr Wind bekamen. Doch auch dort konnten die Teilnehmer wegen eines Hochdruckgebiets nicht ausreichend beschleunigen. Die Inselgruppen sind dafür bekannt, dass die Skipper dort entweder Fahrt aufnehmen oder in einer Flaute gefangen sein können.

Die Doldrums

Gewitter, starke Böen, hohe Wellen oder Flauten überraschen die Teilnehmer der Vendée Globe bei den Doldrums immer wieder, denn in diesem Gebiet kollidieren der Nordost- und Südostpassat.

Alex Thompson meisterte die Doldrums im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 15 Knoten, obwohl er in eine Flaute geraten war. Sein Vorsprung vor der Konkurrenz litt unter der verminderten Geschwindigkeit.

Das St.-Helena-Hoch

Und auch das St.-Helena-Hoch machte es nicht besser. Das Erreichen des Südens mit stärkeren Winden rückte in den leichten Lüften in weite Ferne. Der direkte Weg nach Süden wird durch das Hoch versperrt und die Teilnehmer müssen es westlich umfahren. Einige der Teilnehmer versuchen dann kleinere Tiefdruckgebiete zu erwischen, die von der brasilianischen Küste nach Osten ziehen. In diesem Jahr erreichte Charlie Dalin als erster das Kap der Guten Hoffnung, allerdings mit erheblicher Verspätung gegenüber der Rekordzeit von Alex Thomson im Jahr 2016. Schuld daran waren Passatwinde, unregelmäßige Winde an der brasilianischen Küste und das komplizierte St.-Helena-Hoch.

Die Eisgrenze

Die Rennleitung der Vendée Globe hat zum Schutz der Skipper eine Eisgrenze eingerichtet, die die Kollision mit Eisbergen verhindern soll. Die Antarctic Exclusion Zone (AEZ) ist ein imaginärer Kreis um die Antarktis und darf von den Teilnehmern nicht übersegelt werden. Je nach Eislage wird die Grenze während des Rennens angepasst.

Das Südpolarmeer

Fast ein Drittel der Strecke macht die Umrundung der Antarktis aus. Dabei begegnen den Skippern eisige Kälte, starke Winde sowie hohe Wellen und sie müssen versuchen, in eines der Tiefdruckgebiete zu kommen. Im vergangenen Jahr kamen die Teilnehmer in diesem Gebiet an ihre Grenzen und nur selten zur Ruhe. Einige Boote erlitten Schäden und die Skipper waren zur Aufgabe gezwungen.

Die Flauten in Hochdruckgebieten

Wegen der Eisgrenze müssen die Segler eine nördlichere Route als bei vorangegangenen Rennen einschlagen. Dort besteht allerdings die Gefahr, dass sie in eines der Hochdruckgebiete des Indischen Ozeans oder Pazifiks kommen.

So stecke Dalin Mitte Dezember in einer Schwachwindzone fest und sein Vorsprung vor seiner Konkurrenz verringerte sich binnen drei Tagen von 285 auf 80 Seemeilen. Andere Skipper nutzten die milden Winde für Reparaturen an ihren Booten.

Das Kap Hoorn

Nachdem Yannick Bestaven sich vor Dalin gesegelt hatte, passierte er als erste Teilnehmer nach 55 Tagen und 22 Minuten das Kap Hoorn. 200 Meilen vor dem Kap musste Dalin seine „Apivia“ verlangsamen und kam deshalb mit nur 15 Knoten voran. Für die Deutsch-Französin Isabelle Joschke hielt Kap Hoorn Anfang Januar nichts Gutes bereit: Die Skipperin musste nach der Passage wegen Schäden an ihrem Boot aufgeben.

Und noch einmal

Zwei Drittel der Strecke sind nach Kap Hoorn geschafft und die Skipper müssen sich erneut den Herausforderungen des St.-Helena-Hochs, der Doldrums, des Azorenhochs und der Biskaya stellen. Die Vendée Globe zeigte in diesem Jahr, dass auf dem Endspurt noch einiges passieren kann und die Spannung bis zuletzt bleibt. Wechselnde Positionen auf den vorderen Plätzen machten sich im letzten Drittel stündlich bemerkbar und selten wurde ein Rennen so oft als „Segel-Krimi“ betitelt.

Titelbild: Vendée Globe

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