Am Ende musste Boris Herrmann noch einmal ordentlich zittern, nachdem seine „Seaexplorer“ mit einem Fischerboot kollidierte. Nach 80 Tagen ist er sicher im Zielhafen angekommen und geht der Kollision auf den Grund. Nun wehrt sich der Kapitän des Fischerbootes gegen Herrmanns Vermutungen.

Er zieht seine Frau an sich, küsst seine Tochter und holt seinen Hund an Bord – schöner kann eine Ankunft in Les Sables d’Olonne kaum sein. Um 11.19 Uhr am vergangenen Donnerstag hatte Herrmann endlich die Ziellinie gekreuzt und kann sich nach dem dramatischen Ende seiner Reise in die Arme seiner Familie fallen lassen.

„Ich bin absolut glücklich mit dem Rennen, mit dem Resultat, mit allen. Der kleine Schluckauf der vergangenen Nacht ist schon fast vergessen. Ich wollte es hierher schaffen. Das war ein großer Traum vor 15 Jahren, jetzt habe ich es endlich geschafft“, so Herrmann nach seiner lang ersehnten Ankunft. Immer wieder zeigte sich der Deutsche in seinen Videobotschaften erschöpft und immer wieder betonte er, dass er einfach nur ankommen wolle. Dass er gegen Ende allerdings sogar Chancen auf den ersten Sieg eines Nicht-Franzosen hatte, damit hätte in der ersten Hälfte des Rennens wohl kaum jemand gerechnet.

Fischerboot-Kapitän wehrt sich gegen Vorwürfe

Umso erschütternder dann die Nachricht in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag: Die „Seaexplorer“ kollidierte aus unerkenntlichen Gründen mit einem Fischerboot. Herrmann schlief zu dem Zeitpunkt und wachte von einem lauten Geräusch auf. Bei dem Blick auf das Wasser sah er nichts als eine große Schiffswand. Nachdem er es geschafft hatte, seine Yacht zum Weitersegeln zu bringen, stellte er Vermutungen über die nicht vorhergesagte Begegnung mit dem Kutter an.

Er hielt es für möglich, dass dieser das Auto-Identifikationssystem AIS zum Zeitpunkt des Aufpralls nicht eingeschaltet hatte, sodass Herrmanns Alarmsystem ihn nicht warnen konnte. Es ist bekannt, dass einige Fischer ihre Systeme nicht einschalten, um für die Konkurrenz nicht sichtbar zu sein. Für Herrmann verheerend und so wehrt sich der Kapitän im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung nun vehement gegen die Vorwürfe: „Das sollte er nicht sagen, verdammt“, so Jose Zaldumbide, verärgert über die Vermutungen des Skippers.

„Erstens sind wir dazu verpflichtet, zweitens lässt es sich einfach überprüfen, weil es automatisch aufgezeichnet wird. Mal ganz abgesehen davon, dass bei uns immer einer Wache schieben muss, rund um die Uhr“, so der 55-Jährige über seine „Hermanos Busto“. Er habe sich nach der Kollision um den Skipper gesorgt und versucht, die Seewache zu erreichen und der Yacht zu folgen – doch darin sah er keine Chance.

Jean Le Cam verdrängt Herrmann

Nach seiner sicheren Ankunft in Les Sables d’Olonne sah es für Herrmann nach dem vierten Platz aus. Doch am Donnerstagabend traf Jean Le Cam im Zielhafen ein und verdrängte den Deutschen von seiner Position. Der Franzose gab auf den letzten Meilen vor dem Ziel noch einmal alles und schien unaufhaltsam. Er kam um 20:19:55 Uhr Ortszeit an dem atlantischen Küstenort an.

Durch seine Rettung des gekenterten Kevin Escoffiers verbuchte Le Cam 16 Stunden und 15 Minuten auf seinem Konto. Damit war ihm der vierte Platz hinter Yannick Bestaven, Charlie Dalin und Louis Burton sicher.

Fotos: Vendée Globe

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